Rede
von Sibylle Laurischk, MdB, am 29. April 2004 im
Deutschen Bundestag zu TOP Zusatzpunkt
Beratung des Antrags der
Fraktion der FDP
„Umsetzung der Gemeinsamen
Erklärung zum 40. Jahrestag des Elysée Vertrags – Regionale und interregionale Zusammenarbeit
– Schaffung von Eurodistrikten – Drucksache 15/1111“
Herr Präsident!
Meine Damen und Herren!
Vor gut einem Jahr haben wir gemeinsam den 40.
Jahrestag des Elysée-Vertrages begangen. Uns ist noch in guter Erinnerung, wie
in der Gemeinsamen Erklärung von Bundeskanzler Schröder und Staatspräsident
Chirac erneut die deutsch-französische Freundschaft bekräftigt und damit eine
neue Etappe der Zusammenarbeit eingeleitet wurde. Das bezieht sich auch ganz
besonders auf die unter Nummer 24 der Gemeinsamen Erklärung fest geschriebene
regionale und interregionale Zusammenarbeit. Eine Zusammenarbeit, die sich
zwischen den Gebietskörperschaften in den Grenzregionen teilweise schon gut
entfaltet hat, die es aber gilt auszubauen, vor allem durch die Schaffung von
Eurodistrikten. Ganz besonders liegt uns dabei die grenzüberschreitende
Zusammenarbeit zur Schaffung eines Eurodistrikts Straßburg – Kehl, wie in der
Erklärung vorgesehen, am Herzen.
Was hat sich nun im vergangenen Jahr getan, um die
Gemeinsame Erklärung vom 22. Januar 2003 mit Leben
zu erfüllen?
Es hat bereits erste gute Ansätze einer kommunalen
Zusammenarbeit im Bereich des vorgesehenen Eurodistrikts Straßburg – Kehl
gegeben. So haben in den vergangenen Monaten auf kommunaler und regionaler
Ebene Zusammenkünfte stattgefunden, um schrittweise ein erstes Ziel
vorzubereiten, nämlich die Ausarbeitung einer Satzung zur Gründung eines
grenzüberschreitenden Zweckverbands. Eine kommunale Arbeitsgemeinschaft konnte
bisher eine Reihe von Vorarbeiten erfolgreich abschließen. Aber, und das will
ich hier auch nicht verschweigen, es gab Irritationen, die erfreulicherweise
überwunden werden konnten. Deshalb fordern wir als Grundvoraussetzung für eine
erfolgreiche Entwicklung endlich die gesetzliche Grundlage des Eurodistrikts zu
schaffen.
In der Bevölkerung der Ortenau ist das Projekt
Eurodistrikt auf gute Resonanz gestoßen. Es wurden mit bürgerschaftlicher
Initiative Arbeitskreise gebildet, die
die Kooperation von Schulen und Hochschulen bis hin zur
Zweisprachigkeit, die uneingeschränkte Anerkennung von Bildungs- und
Berufsabschlüssen, die Vereinheitlichung des Arbeitsmarktes, die
Entbürokratisierung des Steuerbereiches, eine gemeinsame Verkehrsentwicklung,
die Abstimmung von Umweltschutzmaßnahmen, die Einführung von Deutsch und
Französisch als Amtssprache und vieles mehr vorschlagen.
Wir halten es für wichtig, dass dieses
bürgerschaftliche Engagement in den Entwicklungsprozess des Eurodistrikts
eingebunden wird und eine aktive Beteiligung der Bürger im Eurodistrikt möglich
wird, beispielsweise durch regionale Wahlen und Teilnahme an den Verhandlungen
auf Verwaltungsebene.
Gerade in Hinblick auf den am 13. Mai 2004 in Paris stattfindenden
deutsch-französischen Gipfel fordern wir die Bundesregierung auf, ein
politisches Signal zu setzen, dass wir den Eurodistrikt Kehl-Straßburg wollen.
Eine lange geplante Verknüpfung der
Eisenbahn-Hochgeschwindigkeitsnetze von TGV und ICE halte ich für äußerst
dringend und duldet zur Vervollständigung der europäischen Transversale Paris –
Budapest über Karlsruhe, Stuttgart und München keinen Aufschub. Hier ist die
Bundesregierung gefordert, schließlich ist die „gute Verkehrsanbindung“ eine Forderung
der Erklärung von Versailles.
Das Überschreiten von Grenzen ist Thema der
Europäischen Einigung, besonders gut gelungen ist dies am Beispiel der
Landesgartenschau der 2 Ufer am Rhein zwischen Kehl und Straßburg.
Der Eurodistrikt ist ein Labor europäischer
grenzüberschreitender Zusammenarbeit.
In zwei Tagen wird sich die europäische Familie
vergrößern, die EU-Osterweiterung wird vollzogen! Die Zukunft der Europäischen
Union liegt in solchen Initiativen wie dem Eurodistrikt.
Aus diesem Grund Herr Präsident, meine Damen und
Herren, rufe ich Sie hier und heute auf, sich ungeachtet
der Fraktionszugehörigkeit für diese gute Sache der
deutsch – französischen regionalen und interregionalen Zusammenarbeit zur
Schaffung von Eurodistrikten zu entscheiden und damit dem Antrag der FDP-Bundestagsfraktion 15/1111 zuzustimmen.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!