| Für
einen großen Europa-Distrikt um Straßburg |
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In
den Dernières Nouvelles d'Alsace
(09.Juni.2002) wünscht sich Dr. Wolfgang Schäuble, Mitglied
des Präsidiums der CDU, einen breiten Europa-Distrikt um Straßburg. Ich
empfinde ihn (den Rhein) nicht als Grenze. Natürlich haben wir die
sprachliche Grenze. Die empfindet man hier am stärksten. Das ist auch
in der Realität das größte Problem. Das erklärt auch, warum unter
den Jüngeren kein regerer Austausch ist, weil nämlich die
sprachliche Gemeinsamkeit mehr verloren gegangen ist als in früheren
Generationen. Übrigens
war in früheren Generationen der Rhein noch weniger eine Grenze. Die
Menschen am Oberrhein haben eigentlich sehr eng mit dem Fluss und mit
der Nachbarschaft auf der anderen Seite gelebt. Es ist wirklich ein
gemeinsamer Raum zwischen Vogesen und Schwarzwald. Nicht nur die
Geschichte, auch im alemannischen Dialekt, in der Mentalität. Dabei
ist ganz klar, hier ist Frankreich, da ist Deutschland, und dennoch
ist die Gemeinsamkeit groß. Darin liegt die großartige Möglichkeit
einer solchen Region zur grenzüberschreitenden Verständigung der
beiden Völker, die sich lange damit schwer taten (...). Ich
habe immer diese Idee (eines Europa-Distrikts. der Straßburg und
einen Teil des deutschen Rheinufers einschließen sollte) für
faszinierend gehalten. Man könnte eine Verwaltungseinheit in vielen
Bereichen schaffen. Ein
solcher Europa-Distrikt könnte ein Modell sein, um auch an anderen
europäischen Grenzen ein Zusammenwachsen über die bisherigen Grenzen
zu fördern, besonders mit Blick auf die Osterweiterung (...). Eine
Zentralität von Straßburg in
der Achse der Oberrheinebene und in der Brückenfunktion zwischen
Frankreich und Deutschland wäre sehr wichtig. Das muss ein Verbund
sein, der Karlsruhe mit einbezieht und vielleicht auch die Freiburger.
Man darf dieses Projekt nicht zu eng sehen, sonst kommt dabei zu wenig
heraus (....). Diesen
Raum muss man zweisprachig gestalten. Man sollte die Beschilderung
zweisprachig machen, nicht nur in Straßburg, auch auf unserer Seite.
Man sollte generell an den Schulen Zweisprachigkeit einführen, den
Austausch von Schülern, Lehrern, von Belegschaften in Betrieben verstärken.
Dann käme die junge Generation selbstverständlicher zusammen auch in
ihrer Freizeit (...). Wir könnten gemeinsame Strukturen im Sport
schaffen, eine grenz- überschreitende Fußball-Liga (...). Wir
sollten eine gemeinsame lndustrie- und Handelskammer schaffen für
diesen Raum. Und
warum könnte Arte, der deutsch- französische Kulturkanal, nicht eine
Berichterstattung über unsere Region bringen, damit die
Alltagswirklichkeit den Leuten hier näher gebracht wird (...). Straßburg könnte zu seiner Berufung finden in einem Raum, der solche Entwicklungen fördert ...".
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