Zur Entstehungsgeschichte der Initiative Eurodistrict e.V. (1989)
Der
französische Außenminister Schuman hatte 1952 eine Europäisierung
des Saarlandes vorgeschlagen. Diese Europäisierung wurde im Europarat
diskutiert, wobei auch saarländische Abgeordnete zu Wort kamen. Der Plan sah
vor, zwischen Deutschland und Frankreich einen Europa-Distrikt zu
bilden, der als Sitz für übernationale europäische Behörden fungieren sollte.
Kurz nachdem der
französische Europaabgeordnete von Pézenas, Herr Georges Sutra, im Europäischen
Parlament einen Antrag auf Schaffung eines ersten, grenzüberschreitenden
Technologiezentrums für Europa „Strasbourg-Kehl“ eingebracht hatte schrieb die
Kehler Zeitung am 08. Februar 1988 unter der Überschrift
„Die Städte Kehl
und Straßburg als Keimzelle eines
Europa-Distrikts?“
„Die beiden Städte
Kehl und Straßburg als Keimzelle eines künftigen Euro-Distrikts am Oberrhein,
als Arbeitsmodell für Städte, die ihre kommunalen Aufgaben über die Grenzen
hinweg gemeinsam lösen wollen:“
Um diese Initiative
der beiden Beigeordneten der Städte Straßburg und Kehl, Dr. Raymond Leissner und Ulrich Mentz, in die Tat umzusetzen, fand am
06. Mai 1988 eine Arbeitssitzung im Europarat statt.
Im
Vorfeld der Arbeitssitzung vom 06. Mai 1988 erklärte Dr. Raymond Leissner den
„Dernières Novelles“ (französische Ausgabe vom 08.03.1988): Das Projekt hat ein
hochgestecktes Ziel, die Schaffung eines dem „Bundesdistrikt Washington“
vergleichbaren Europäischen Distrikts, mit einem Sonderstatuts für Straßburg
als Europäischen Hauptstadt. Das bleibe
wahrscheinlich ein Traum, aber man dürfe ja träumen.
Die
Oberbürgermeister der Städte Achern, Kehl und Offenburg und die Bürgermeister
der Städte Illkirch-Grafenstaden, Schiltigheim und Straßburg erörterten
entsprechend der von der Ständigen Konferenz der Gemeinden und Regionen Europas
(heute „Kongress der Gemeinden und Regionen Europas“ KGRE) veranlassten
Resolution Nr. CPL/Am (22) 11 vom Dezember 1987 grundsätzliche Fragen in Bezug
auf die Entwicklung einer grenzüberschreitenden Region Straßburg - Ortenau mit
Pilotcharakter.
Als erster Schritt
sollte eine grenzüberschreitende „Arbeitsgemeinschaft“ einiger Städte der
Stadtgemeinschaft Straßburg und aus der Ortenau entstehen mit dem Ziel,
konkrete Maßnahmen für die in dieser Raumschaft lebenden Bewohner zur
Verbesserung der alltäglichen Lebensbedingungen in die Tat umzusetzen. Zu einem
späteren Zeitpunkt sollte diese Zusammenarbeit auf ein größeres Gebiet zwischen
Schwarzwald und Vogesen ausgedehnt werden. Die Zusammenarbeit der Städte und
Gemeinden sollte auf den Vorgaben des von Deutschland und Frankreich
ratifizierten Rahmenabkommen des Europarats für die grenzüberschreitende
Zusammenarbeit von kommunalen und regionalen Gebietskörperschaften beruhen.
Diese
Zusammenarbeit sollte zweierlei bewirken:
1. Konkrete
Maßnahmen verwirklichen, die das
tägliche Leben der Bürger betreffen: öffentlicher Nahverkehr, öffentliche
Dienstleistungen, Müllbeseitigung, kulturelle Veranstaltungen, örtliche wirtschaftliche Aktionen.
2.
Einen Raum mit grenzüberschreitenden, europäischen Interessen zu definieren, in
dem die gemeinsame Planung großer, für Europa bedeutender
Infrastrukturmaßnahmen mit den örtlichen Planungsüberlegungen abgestimmt und
erörtert werden.
Für
die Arbeitssitzung hatte der damalige Präsident des Verwaltungsgerichts
Straßburg, Jean-Marie Woehrling, eine Mustervereinbarung entworfen. Sie
war Grundlage der Erörterung zur Schaffung eines grenzüberschreitenden
kommunalen Zweckverbandes.
Leider wurde
dieser erste Versuch einer institutionalisierten Zusammenarbeit im Raum
Straßburg-Kehl nach zwei weiteren Sitzungen nicht weiterverfolgt.
Der Verein
Initiative Eurodistrict e.V. veranstaltete in Zusammenarbeit mit der KGRE,
Dokument CPL/AM (25) 1, am 17. März
1990 ein Forum im Europapalast.
Dort diskutierten
über 300 Teilnehmer in 5 Rundtischgesprächen über Fragen Verkehr,
Wirtschafts-Entwicklung, Kultur/Kommunikation, Raumordnung/Umwelt und
Institutionen/Strategie. Bundesbahndirektor Horst Emmerich erläuterte z.B. den Stand der deutsch-französischen
Planung zur Verbindung von ICE und TGV bei Straßburg/Kehl.
Herr Emmerich
sagte damals u.a.:“ In der zweiten Hälfte der neunziger Jahre ist der Ausbau
der Rheintalbahn beendet, welcher die Reisezeiten nach Basel aber auch nach
Frankfurt und Köln noch einmal vermindert.“ Und Herr Henri Jung, technischer Berater der Region Elsaß, ergänzte diese heute
leider immer noch nicht verwirklichte Vision mit dem Bericht über die Studie
einer trinationalen S-Bahn im Dreiländereck. Referate von Prof. Dr.
Jean-Francois Flauss von der
Universität Straßburg, Prof. Dr. Kurt Becker-Marx,
Bad Herrenalb und Prof. Dr. Hartmut Kübler,
damals beim Stuttgarter Innenministerium und später Rektor der Fachhochschule
für öffentliche Verwaltung in Kehl, gaben die Grundlage für die Diskussion über
Institutionen und Strategie, in der eine Vielzahl von Projekten angesprochen
wurden, die durch ihre Wechselbeziehungen gebündelt werden sollten, um die
europäische Berufung dieses Gebietes zu verstärken. Es sollte eine Dynamik in Gang gesetzt werden, die schon lange
von beiden Seiten gewünscht jedoch noch nicht genügend in Taten zum Ausdruck
gebracht werden.
Im Jahre 1989
wurde bereits klar und nachdrücklich dargelegt, was im Grenzraum Strasbourg –
Kehl nötig wäre. Leider waren die politisch Verantwortlichen (noch) nicht zu
wirklichen gemeinsamen Schritten bereit.
In den Dernières
Nouvelles d'Alsace vom 09.Juni.2002
wünscht sich Dr. Wolfgang Schäuble, Mitglied des Präsidiums der CDU,
einen breiten Europa-Distrikt um Straßburg.
Es dauerte bis zum
Januar 2003. Dann erst griffen der französische Staatspräsident Chirac
und der deutsche Bundeskanzler Schröder das Thema Eurodistrikt
Strasbourg – Kehl wieder auf.
Bleibt zu hoffen,
dass der neue Ansatz dieses Mal zu wirklichen Ergebnissen führt, so dass der
Traum von Dr. Leissner vielleicht doch noch zur Wirklichkeit wird.
©
2003 Initiative Eurodistrict
e.V. (1989 Kehl VR 333)
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